Leipzig weiter denken

Leipzig weiter denken – Nachhaltige Stadtfinanzen

Rückblick von Maren Müller

Der durchaus innovative Ansatz des Veranstalters Stadt Leipzig das Publikum in Miniworkshops an thematisch geordneten Tischen zu platzieren und die Diskussion anhand von beschriebenen Tischdecken und ambitionierten Moderationen für die Nachwelt festzuhalten, wurde von der arg beschränkten Auswahlmöglichkeit vermeintlich einzig heilbringender Sanierungsmaßnahmen umgehend geschrottet.
Die da wären: 1.) Ausgaben kürzen, 2.) Einnahmen erhöhen, 3.) Wirtschaftskraft stärken – diese drei Strategien zur Sanierung der Stadtfinanzen ernsthaft mit dem Stempel „nachhaltig“ zu versehen, erschien mir dann doch zu stupide.
Wer sich als Opener der Veranstaltungsreihe einen Wachstumskritiker wie Professor Harald Welzer (war sicher teuer) ins Haus holt, dessen Ausführungen über Zukunftsvisionen jenseits vom Automobil- und Wachstumswahn lauscht und herzhaft applaudiert und zustimmend nickt wenn von Gegenentwürfen zur derzeitigen Leitkultur des ungebremsten Wachstums und der Verschwendung die Rede ist, sollte in der Wahl seiner Zukunftsstrategien innovativer sein.
Oder er hat nichts verstanden.
„Worauf will ich stolz gewesen sein?“ sollen wir laut Welzer fragen wenn wir uns auf das eigene Wirken für konkrete Veränderungen in einer nachhaltigen Stadt besinnen.

Daher kam vom Tisch 7 (der sich mit Wachstumsstrategie zu beschäftigen hatte) insbesondere von mir befeuert, der Vorschlag, eine vierte Strategie in die Diskussion aufzunehmen; die Suffizienzstrategie.
Denn Wachstum benötigen wir eigentlich nur in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Fertilität, sozialer Betreuung, zwischenmenschlicher Kultur und im Bereich Zukunftstechnologien undWissenschaft.
Alles andere haben wir bereits im Überfluss: Autos die vom Band auf die Halde laufen, Waren und Dienstleistungen die wir in 100 Jahren nicht verbrauchen können, ein Übermaß an Besitz von Dingen, Reizüberflutung durch Medien aller Art.

Warum fassen die Entscheidungsträger von Politik und Verwaltung nicht bestehende Dinge anders, nachhaltiger und sinnvoller an?
Warum organisieren wir uns beispielsweise durch permanente Fehlanreize in der Arbeitsmarktpolitik die Haushaltsprobleme höchst selbst (überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten bei den Minijobbern und den ausschließlich geringfügig Beschäftigten – Verfestigung KdU, Verstetigung der Armut)?
Warum haben wir in der Stadt-Verwaltung noch immer kein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM als Mittel zur Haushaltskonsolidierung)? Warum zerstören wir bestehende Einzelhandelsstrukturen durch ungebremste Neuansiedlungen (Missverhältnis Kaufkraft, Verkaufsfläche/EW)? Warum nutzen wir moderne Technik nicht konsequent um Teilhabe, Information, Transparenz zu erhöhen und gleichzeitig Kosten zu senken (z.B. elektronisches Zeiterfassungssystem in der Verwaltung)? Warum vermarkten wir nicht endlich die unzähligen Dächer in unserer Stadt für Anbieter von Photovoltaikanlagen (Solarkataster)? Warum nutzen wir nicht konsequent vorhandene Bauvarianten für intelligente Energieeffizienz (Passivhausstandart, Plusenergiehaus insbesondere für KITAs)? Warum gehen wir das verheerende gewerbliche Leerstandsproblem nicht innovativer an (intelligente und barrierearme Förderinstrumente)?

Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen – aber Papier ist geduldig. So wird die Verwaltung weiter wurschteln und sich gelegentlich durch diverse Anträge unbequemer StadträtInnen aus dem Konzept bringen lassen.
Wenn man sich allerdings ansieht, durch welche Institutionen und Einrichtungen der Dialog „Leipzig weiter denken“ gefördert bzw. unterstützt wird, müssten eigentlich die Ansätze STREICHEN,ERHÖHEN,WACHSEN umgehend in den Schredder marschieren.
Thema verfehlt. 6 – setzen.

Förderer von „Leipzig weiter denken“:

http://www.zukunftsprojekt-erde.de/zukunftsprojekt-erde.html
http://www.leipzigeragenda21.de/
http://www.ufz.de/index.php?de=4519
http://www.bmbf.de/

Projekt von Professor Harald Welzer
http://www.futurzwei.org/#index

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