„Da werden erwachsene Menschen angebrüllt, weil ihr Team 0,2 Prozent unter dem Zielwert war.“
Damit hat der – zuweilen sehr – selbstverliebte SPIEGEL nicht wirklich gerechnet: Ende Juni warf das Magazin einen längeren Artikel auf den Markt, mit dem man nichts geringeres versuchen wollte als eine Art Reanimation des „Vermittlungsskandals“, der 2002 dann zu der Einsetzung der „Hartz-Kommission“ geführt hatte: »Die Arbeitsagenturen gelten als durchgetrimmte Vorzeigebehörden. Doch ein vertraulicher Rechnungshofbericht deckt auf: Sie lassen ausgerechnet die Kunden im Stich, für die sie da sein sollten, und manipulieren die Statistik«, so hieß es in dem Beitrag „Mit allen Mitteln“. Ein paar Diskussionen – und sonst passierte nicht viel. Kurze Zeit später moserte das Blatt in dem allerdings richtig gut überschriebenen Beitrag „Wir spielen Unternehmen“: »Erst der Rechnungshof, jetzt die Innenrevision: Wieder bekommen die Arbeitsagenturen ein mieses Zeugnis. Mit dem Umdenken tut sich der Vorstand schwer, allen Versprechen zum Trotz« . Aus diesem Artikel stammt auch das Zitat, das diesem Beitrag vorangestellt ist. Und wieder keine große Resonanz.
In der morgen erscheinenden Ausgabe kann das Nachrichtenmagazin wenigstens etwas aus dem Innenleben der großen Maschine nachlegen: „Personalräte attackieren BA-Chef Weise“:
»Nach dem Skandal um umstrittene Vermittlungsstatistiken werfen Personalräte der Arbeitsagenturen dem Chef Frank-Jürgen Weise und seinem Vorstand „Ignoranz“ und „Realitätsverlust“ vor. In verschiedenen Schreiben kritisieren sie, dass die Bundesagentur für Arbeit „mehr und mehr zu einer seelenlosen Zahlenmaschine mutiert“, so als ob „wir eine Produktionsstätte von Automobilen wären und nicht eine Einrichtung der Sozialversicherung Deutschlands“. Außerdem kritisieren sie die Untätigkeit des Vorstands. Dass das Steuerungssystem ineffektiv sei und zu den Manipulationsvorwürfen geführt habe, sei von ihnen schon vor Jahren angesprochen worden. Seither seien „fünf Jahre ohne Lösung vergangen“. Die Personalräte bezichtigen Weise sogar, gezielt Denunziantentum zu fördern. So fließe in die Bewertung von Mitarbeitern ein, wie sie die Arbeit von Kollegen beurteilten. Zudem habe sich die Arbeitsmenge bis an die „physischen und psychischen Grenzen“ verdichtet.«
Dem ist leider nicht viel hinzuzufügen.
Quelle: Aktuelle Sozialpolitik – Das sozialpolitische Informationsportal